Abwrackwerft – alles über Abwrackwerften

Schiffe, die außer Betrieb gestellt werden, weil ihre Unterhaltung entweder nicht mehr rentabel ist oder sie für den Gebrauchtmarkt uninteressant geworden sind, werden in der Regel zur Zerlegung auf Abwrackwerften weiterverkauft.

Was ist eine Abwrackwerft

Eine Abwrackwerft ist ein Betrieb, der dafür zuständig ist alte, nicht mehr benötigte Schiffe zu zerlegen, um die einzelnen Bestandteile, vor allem tausende Tonnen Stahl wiederzuverwerten. Die Ersatzteile aller Art, wie zum Beispiel Navigationseinheiten, Generatoren, Rettungsboote oder kompletten Motoren werden dabei ebenfalls weiterverkauft. Jedes Jahr werden zwischen 200 und 600 Schiffe auf diese Art abgewrackt. Das Recycling von Schiffen ist sehr wichtig, da es durch den nachhaltigen Umgang mit Rohstoffen die Umwelt schont.

Bis ins 20. Jahrhundert waren in allen Bereichen der Welt Abwrackwerften zu finden. Bis 1923 wurden in Deutschland ungefähr 300 Kriegs- und Handelsschiffe aus dem In- und Ausland verschrottet. Die Zahl der Abwrackwerften in der EU ist jedoch in den vergangenen 20 Jahren stetig zurückgegangen. Da die Kosten für eine Abwrackung in Europa vor allem durch teure Arbeitskräfte und strenge Umweltvorschriften heutzutage sehr hoch wären, werden ungefähr 70 bis 80 Prozent der Schiffe in Abwrackwerften in Indien, Pakistan, Bangladesch, Türkei und China verschrottet. Indien verdient beispielsweise 15 Prozent seiner Jahresproduktion an Stahl aus der Verschrottung von Schiffen.

Rechtliche Grundlage

Das 1989 unterzeichnete Basler Übereinkommen regelt die Verbringung gefährlicher Abfälle. Insbesondere ist darin die Zustimmung des Bestimmungslandes der Verbringung vorgeschrieben. 1995 wurde dieses Übereinkommen noch einmal dahin gehend geändert, dass bestimmt wurde, dass die Verbringung gefährlicher Abfälle aus einem der 34 OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)-Mitgliedstaaten in ein Land untersagt, das nicht selbst Mitglied der OECD ist. Jedoch wurde diese Änderung nicht von allen Ländern, die das Basler Übereinkommen unterschrieben hatten, akzeptiert.

Schiffe, die zur Abwrackung bestimmt sind, gelten im Sinne des internationalen und des gemeinschaftlichen Abfallrechts als Abfälle. Darüber hinaus gelten sie als Sondermüll, wenn sie noch eine erhebliche Menge giftiger Stoffe enthalten oder frühere enthaltene Stoffe in nicht geeigneter Weise entfernt wurden. Es ist untersagt diese Schiffe zur Abwrackung in ein Land, das kein OECD-Mitglied ist, auszuführen. Stattdessen müssen diese Schiffe auf umweltverträgliche Weise abgewrackt bzw. dekontaminiert werden, so dass sie keine Gefahr mehr darstellen.

Große Abwrackwerften

In Alang, einem Küstenstaat im indischen Bundesstaat Gujarat steht eine der größten Abwrackwerften. Mit einem weltweiten Anteil von ca. 40 Prozent der weltweit abgewrackten Schiffe, gilt es als eines der Zentren der Schiffsverschrottungsindustrie. Es handelt sich hierbei aber nicht um eine Werft im herkömmlichen Sinne, sondern um einen breiten Strandabschnitt. Die Schiffe werden bei Springflut auf den Strand gezogen und dort auch zerlegt.

Die größte Abwrackwerft Bangladeshs und somit das Zentrum der dort ansässigen Abwrackindustrie befindet sich auf einem sieben Kilometer langen Strandabschnitt bei Fauzdarhat nordwestlich von Chittagong. Seit 1969 haben sich dort über 70 Unternehmen angesiedelt, die sich auf die Verschrottung von Schiffen spezialisiert haben und ca150.000 Menschen leben dort von der Schiffsverschrottung. Es werden derzeit etwa 30 bis 40 Prozent der Hochseeschiffe recycelt.

Kritik

Die meisten Schiffe enthalten große Mengen gefährlicher Stoffe wie Asbest, Öle und Polychlorierte Biphenyle sowie Schwermetalle in Farben und Ausrüstungen. Da auf den meisten Abwrackwerften in Südasien keinerlei Sperren vorhanden sind, durch welche eine Wasser- und Bodenverschmutzung verhindert werden könnte, sind die Folgen einer dortigen Abwrackung weit reichende Umweltverschmutzungen der Küstengewässer und Strände sowie erhebliche Schädigungen der betroffenen Ökosysteme.

Des Weiteren gelten die Arbeitsbedingungen in den Abwrackwerften der Schwellenländer als desolat. In den Anlagen wird unter einfachsten Bedingungen gearbeitet. Die Arbeitszeiten betragen für die dort Beschäftigten bis zu 95 Stunden pro Woche. Da es an Materialien, wie Kräne fehlt, müssen die Arbeiter in den meisten Fällen die Schiffe mit den Händen zerlegen. Außerdem kommt es durch die mangelnde Sicherheit zu schweren Unfällen durch Explosionen, Verpuffungen oder Metallteile.